Nach den Bewerben in Werfenweng, am Radsberg und in Samerberg, stand am 3. und 4. September das Saisonfinale in Interlaken am Programm. Vor allem durch meinen 2. Platz in Samerberg war ich in der Gesamtwertung auf Rang 4. Vor mir lagen Thomas Hofbauer und Martin Gruber, die schon einen sehr großen Vorsprung hatten, sowie Paul Guschlbauer, der zwar nur ein paar Punkte vor mir lag, aber
nach seinem sensationellen 3. Platz beim X-Alps wohl nur schwer zu schlagen sein dürfte.
Auch diesmal habe ich mir wieder das Gebiet sehr genau auf Google Earth angesehen und mir eine Route zurechtgelegt. Da war aber ein zweiter Gedanke, da ich noch nie in der Gegend war: Folge einfach Chrigel! Er ist hier daheim und man muss eigentlich davon ausgehen, dass er die richtige Route wählt.
So ging es um 08:00 Uhr bei schönem Wetter los. Schon nach 50 Metern trennten sich die Wege. Chrigel, Paul und Martin gingen Richtung Süden, alle anderen Richtung Osten, also die Route die auch ich geplant hatte. An dieser Stelle blieb ich kurz stehen und überlegte noch einmal Chrigel zu folgen, tat es aber letztendlich doch nicht, da ich mir klar war, dass ich fliegerisch mit ihm nicht mithalten werde und nicht irgendwo in den hohen Bergen absaufen möchte.
Also Richtung Osten und nach 2 Stunden in der Ebene den Berg rauf. Hier zeigte sich wieder einmal wie gut es ist einen tollen Supporter zu haben. Othmar hat mich den ganzen Weg (1500Höhenmeter) bis zum Startplatz begleitet, sodass ich zumindest die Verpflegung nicht selber tragen musste.

Der Flug über den Brienzergrad ging zunächst flott voran, obwohl ich sehr vorsichtig flog, da ich nicht unter Grad Niveau kommen wollte. Über dem Brienzer Rothorn konnte ich sogar auf 3000m aufdrehen und den Flug Richtung Nord-Ost fortsetzen. Ich flog über den Lungerersee auf die andere Talseite. Das erwies sich aber als Fehler, da ich auf dieser Seite keine nutzbare Thermik fand. Daher blieb mir nichts anderes übrig also so weit wie möglich Richtung Norden auszugleichten.

Nach der Landung auf Höhe Sarnersee ging es zu Fuß im Flachland weiter Richtung Nord-Ost.
Um ca. 20:30 setze ich kurz vor Stans am Vierwaldstättersee meinen Wendepunkt bei 47,45km. Ich ging die gleiche Strecke die ich gekommen war zurück und da es mir beim Gehen recht gut ging, schlugen wir erst um 04:30 in der Früh unser Nachtlager auf. Es war gar nicht so einfach einen Platz zu finden, an dem man mit einem VW-Bus über Nacht stehen bleiben kann. In der Schweiz ist Übernachten im Auto wohl so gern gesehen wie Fußpilz. Othmar wurde mehrere Male, während er bei diversen Treffpunkten auf mich wartete, darauf aufmerksam gemacht, dass er hier nicht übernachten könnte.
Um 06:00 ging es dann weiter. Gefrühstückt wird beim Bordairline währen des Marschierens, versteht sich.
Am Lungerersee traf ich Stefan Wiebel und Werner Schütz. Mit den beiden suchte ich oberhalb des Brünigpasses einen Startplatz um noch einen Gleitflug zu machen. Hier wurde es noch einmal eng, da wir teilweise Wind von hinten, starken Nebel und keinen geeigneten Startplatz vorfanden. Mit der telefonischen Hilfe von Othmar war es dann aber doch möglich und ich konnte im Gleitflug Brienz erreichen. Jetzt war klar, dass es sich ausgehen würde bis 17:00 das Ziel in Interlaken zu erreichen. Mit diesem Wissen waren die 20 Kilometer entlang des Brienzersees trotz Regen gut zu ertragen. Es war sogar noch Zeit für eine köstliche Portion Spaghetti (Danke Othmar) direkt am See.
Das Ziel erreichte ich um 16:15. Was meine Distanz wert war wusste ich zu dieser Zeit aber noch nicht. Ein erster Blick auf die Karte mit den Wendepunkten machte mich aber vorsichtig optimistisch.
Die Siegerehrung war dann umso schöner. Meine Distanz war gut, sehr gut sogar, sodass für mich letztendlich der Dritte Platz herauskam. Der Vorsprung auf den 4., Robert Heim, betrug nur lächerliche 250m.
Auf den Plätzen 1 und 2 klassierten sich Thomas Hofbauer, der ebenfalls meine Route wählte, aber viel weiter geflogen war und Chrigel Maurer, der als einziger der Piloten, die Richtung Süd-West gingen, erfolgreich war.
Paul und Martin landeten nur auf den Plätzen 11 und 12, sodass ich in der Gesamtwertung ebenfalls noch den Platz 3 erreichen konnte. Nach meinem 2. Platz letztes Jahr also Platz 3 in dieser so erfolgreichen und schönen Saison.
Alle Ergebnisse gibts auf www.bordairline.com
An dieser Stelle möchte ich mich vor allem noch bei meinem Supporter Othmar bedanken, der mich durch viele schwierige Situationen gelotst hat und mich optimal versorgt und betreut hat. Besonderer Dank geht auch an den Parashop (www.parashop.at). Außerdem auch ein großes Dankeschön an das Team von Biotech die diese tolle Bewerbsserie ins Leben gerufen haben und immer super Veranstaltungen organisieren.
Das war es dann für 2011 – wir sehen uns beim Bordairline 2012.
Gerald Gold








