Bericht vom Crossalps in Samerberg
Nach den letzten Bordairlines in Werfenweng und am Radsberg, stand am 1. und 2. Juli das Crossalps im südbayrischen Samerberg am Programm. Das Crossalps ist von den Regeln her ident zu den Bordairline-Bewerben, aber das Teilnehmerfeld ist mit rund 65 Teilnehmern deutlich größer.
Aus den vorangegangen Bewerben haben mein Supporter Othmar und ich gelernt und ein paar Modifikationen in meinem Bus vorgenommen, damit alles noch einfacher und effizienter wird.
Wieder einmal war das Wetter nicht besonders gut. Fast geschlossene Wolkendecke, relativ kräftiger NW Wind und die Wolkenbasis liegt am Berg auf. Aufgrund dieser nicht sonderlich guten Flugbedingungen wusste ich bis zum Start nicht welche Route ich wählen sollte. Ich wartete also eine Minute ab was die anderen so machten. Da die Mehrheit trotzdem auf die Hochries ging entschied auch ich mich dafür. Einige versuchten gleich Richtung Westen zu gehen, andere Richtung Osten zur Kampenwand.
Der Anstieg auf die Hochries ist relativ einfach und war kurz vor 10:00 geschafft. Oben angekommen standen wir teilweise im Nebel. Manchmal bot sich aber ein Fenster in dem man bis ins Tal sah und gefahrlos starten konnte. Vor mir waren schon einige gestartet, ich wartete aber trotzdem ein wenig um vielleicht doch etwas bessere Bedingungen vorzufinden. Mein Start klappte gut und ich flog sofort Richtung Osten um den NW möglichst gut auszunützen und ein wenig an den Hängen zu soaren.
Einige die vor mir gestartet sind, schafften die Talquerung zur Kampenwand nicht. Hier hat sich für mich wohl zum ersten Mal bei einem derartigen Walk & Fly Bewerb bezahlt gemacht, dass ich meinen Wettkampfschirm verwende. Ich kam ca. 100m über ein paar anderen an der Kampenwand an und konnte nach anfangs sehr schwachem Steigen die Kampenwand überhöhen und Richtung Hochgern weiterfliegen. Auf dem Weg dorthin kam ich doch in ein paar Leeturbulenzen, die etwas an Höhe kosteten. Nichts desto trotz gelang es mir auch den am Hochgern vorbei zu kommen und mit Rückenwind noch weitere Kilometer Richtung Osten gut zu machen. Mein Flug endete 28km vom Startpunkt aus zwischen Bergen und Siegsdorf.
An dieser Stelle war mir klar, dass es von hier aus keinen Sinn macht heute noch auf einen Berg zu gehen (Wetterentwicklung zu unklar) und die 20% auf keinen Fall mehr eine Begrenzung darstellen. Daher war das Motto von diesem Zeitpunkt an klar: Gehen was geht!
Schon wenige Kilometer nach meiner Landung war Othmar bei mir und ich konnte auf meine Geh-Schuhe wechseln. Binnen kürzester Zeit hatte Othmar auch schon die nächsten 20km zu Fuß geplant, sodass ich mich um nichts kümmern musste. Wir kontrollierten ständig die Kilometer und die Zeit die das Navi für den Rückweg berechnete. Nachdem alles wie geschmiert lief beschlossen wir den Wendepunkt in Salzburg Stadt zu setzen. Dieser war um 20:30 erreicht. Das tolle an der Route war, dass fast alle Straßen und Wege genau in der richtigen Richtung verliefen.
Etwas später gab es dann in Mühlreit ein gutes Abendessen (Spaghetti – was sonst?). An Nachtruhe dachten wir zu dieser Zeit aber noch nicht. Ich wusste, dass der erreichte Wendepunkt von 58km eine wirklich gute Distanz sei und wollte auf keinen Fall zu spät ins Ziel kommen. Daher ging ich in dieser Nacht noch bis kurz vor 3:00 um mir dann etwas mehr als eine Stunde Schlaf zu gönnen.
Das Frühstück nahm ich dann schon wieder gehend zu mir um Zeit zu sparen. Noch waren meine Füße ganz ok und dank der Blasenpflaster auch noch blasenfrei. Um kurz nach 6:00 erreichte ich meinen Landeplatz vom Vortag und traf auf Stefan Wiebel. Mit ihm ging es gemeinsam von Bergen bis über Grassau hinaus. Da er ein deutlich schnelleres Tempo ging, konnte ich meinen Schnitt für 2-3 Stunden deutlich erhöhen und den Zeitpolster somit ein wenig vergrößern. Am Anfang des Tages sah es schon nicht mehr so gut aus. Ab Grassau plagten mich dann doch ziemlich starke Schmerzen in den Füßen. Immerhin hatte ich hier aber auch schon fast 90km zu Fuß zurückgelegt. Um 15:00 erreichte ich Frasdorf, von wo es nur noch 5km bis zum Ziel waren. Diese konnte ich zwar in einer Stunde zurücklegen, aber vom Gefühl her waren diese 5km länger als der ganze Weg des 1. Tages.
Kurz nach 16:00 läutete ich mit einem unglaublichen Glücksgefühl die Glocke. Danach musste ich noch bis zur Siegerehrung warten um das sensationelle Ergebnis zu erfahren. Meine Leistung reichte für den 2. Platz, nur geschlagen von Martin Gruber der unfassbare 132km zu Fuß zurückgelegt hat und darüber hinaus auch noch weiter geflogen ist als ich. Auf Platz 3, der diese Saison gewohnt starke Thomas Hofbauer.
Mit diesem tollen Ergebnis, kann ich das letzte Bordairline im September in Interlaken kaum erwarten, wenngleich meine Füße für eine etwas längere Pause jetzt schon dankbar sind.
Gerald Gold








